Der helle Wahnsinn

Meine Katarakt-OP

Herr Kochler, heutzutage bleibt man so vierzig, fünfzig Jahre lang mehr oder minder gesund, danach hofft man, dass die Einschläge nicht ganz so tiefe Krater hinterlassen.

Katarakt

Katarakt, die medizinische Bezeichnung für den grauen Star. Eine Augenkrankheit, die jeden trifft, wenn er denn nur alt genug wird und nicht vorher schon wegstirbt. Manche trifft es aber auch früher, so wie mich. Die Ursachen sind wohl weitestgehend unbekannt, allenfalls begünstigende Faktoren werden vermutet.

Die Symptome

    • Verlust der Sehschärfe
    • Verschwommensehen
    • starke bis sehr starke Blendempfindlichkeit
    • starker Kontrastverlust
    • Wahrnehmung der Umwelt wie durch einen Nebel
    • Doppelbilder
    • Einschränkung der räumlichen Wahrnehmung
    • Halos, Lichthöfe und sonstige Lichteffekte um Lichtquellen
    • blasse und trübe Farben

Eine wirklich gute Bilderreihe zur Veranschaulichung dieser Symptome findet man u.a. auf den Seiten des Hildesheimer Augenzentrums auf dieser Seite ganz unten. Bis auf „Fortgeschritten 2“ kann ich alles bestätigen.

Wirklich der totale Mist

All diese Symptome habe ich in den letzten Monaten wahrgenommen, zu spüren bekommen. Anfangs denkt man noch an Übermüdung, Erschöpfung, Überarbeitung, Stress, etc., legt sich ein paar Minuten hin und dann geht es schon wieder. Aber das reicht dann irgendwann nicht mehr.

Ich bin zum Schluss nicht mehr Auto gefahren, weil ich durch entgegenkommende Fahrzeuge so starkt geblendet wurde, dass ich nichts mehr sehen konnte. Die Entfernung zum Vordermann auf der Straße konnte ich überhaupt nicht mehr erkennen: Da bremste halt ein Auto, aber ob das nun 10 Meter oder 50 Meter entfernt war, war im Dunkeln für mich nicht erkennbar.

Auch im Alltag wird man unsicherer: Allein die tägliche Hunderunde ist voll oll, weil Du nicht mal mehr Schläglöcher auf der Wiese richtig erkennst. Du spürst sie dann erst, wenn Du reingetreten und evtl. gar gestürzt bist.

Kurz: Es ist wirklich nicht schön, aber durch den schleichenden Prozess nimmt man das anfangs überhaupt nicht als Sehfehler wahr. Es macht alles (oder zumindest vieles) nicht mehr so richtig Spaß.

Die Diagnose

Und dann sagt einem der Augenarzt, dass man eben operieren muss: Alte, natürliche Augenlinse (ich glaube mit Ultraschall) zerstören und absaugen, neue künstliche Linse aus Acryl rein. Ist wohl heute eine Standard-Operation, die in Deutschland (oder weltweit) am häufigsten durchgeführte OP überhaupt. Und es gibt beim grauen Star eben keine Alternative, keine Medikamente, keine Therapie, nichts.

Und ich hatte wirklich Schiss. Ich bin ja ohnehin ein kleiner Schisser und Hypochonder, aber hey, eine OP am Auge? Was, wenn die schief geht und ich erblinde? Naja nun, wenn nicht operiert würde, erblindete ich auch, also gab es keine Alternative.

Die OP

Gestern nun fand die OP statt, nachdem sie eine Woche zuvor aufgrund nicht lieferbarer Linsen kurzfristig abgesagt wurde. Es war ein schmerzfreier, kurzer Eingriff, den mein Arzt bei seinen Patienten unter Vollnarkose in Strausberg durchführt. Anschließend wurde ich von der lieben Inga abgeholt und nach Hause gebracht und ich legte mich mit Augenverband auf die Couch und ging dann irgendwann früh schlafen. Es gab kein Jucken, kein Brennen, kein Fremdkörpergefühl, aber dieser Augenverband ist irgendwie schon hinderlich.

Heute vormittag wurde mir der Verband abgenommen und das Auge nochmal untersucht. Es ist alles gut verlaufen, die Linse sitzt exakt dort, wo sie sitzen soll und das Auge hat sich nicht entzündet. Ich muss nun alle zwei Stunden antibiotische Augentropfen nehmen und das Auge, wenn es denn anfangen sollte zu tränen, ein wenig schonen. Ich habe mind. drei Wochen Sport– und Saunaverbot und die nächsten zehn Tage darf kein Wasser ins Auge kommen.

Und das Ergebnis? Zum heulen schön

Es ist der helle Wahnsinn. Wirklich, glaubt mir, es ist alles wahnsinnig hell. Also, auf dem operierten Auge, das binnen kurzer Zeit offensichtlich die „Führung“ übernommen hat. Als ich wieder zurück in der Wohnung war, kam es mir vor, als wäre hier renoviert worden, so hell und weiß waren plötzlich wieder die Wände.

Ich kann vieles wieder vollkommen ohne Brille sehen. Hatte ich vorher immer einen Nebelschleier auf den Augen, so sehe ich in der Ferne und im mittlereren Bereich wieder gestochen scharf. Und eben vor allem sehr, sehr hell.

Das räumliche Sehen ist nicht nur verbessert, es ist überhaupt wieder da. Die Farben sind alle wieder kräftiger, nicht mehr so trübe, so ausgelutscht wie vorher. Die Kontraste sind wieder da. Ich kann wieder Beipackzettel lesen und die Nährwertangaben auf den Lebensmittelpackungen erkennen, teilweise sogar ohne Brille.

Ich könnte hier vor lauter Freude und Glück den ganzen Tag weinend durch mein kleines Dorf hier wandern: Es ist noch nicht mal Frühling, eigentlich immer noch alles recht trist, aber der Unterschied ist phänomenal: Die ganze Welt ist jetzt wieder viel schöner.

Und ich habe den direkten Vergleich, denn mein linkes Auge ist noch unoperiert. Gucke ich allein mit dem linken Auge, gucke ich wie durch einen gelblich milchigen Schleier. Sehe ich allein mit dem operierten Auge, ist eben alles so klar, so hell, so bunt, so kontrastreich, so schön. Und laut Augenarzt und Linsenhersteller soll das in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten alles noch viel besser werden. Wenn sich Hirn und (neues) Auge aneinander gewöhnt haben werden. Und ick freu mir drauf.

Kann man etwas sehen?

Ich selbst ja nicht, aber Mone sagte beim Tröpfeln, dass das eine Auge klarer sei, als das andere. Ich habe mal versucht, das im Video festzuhalten (an sich war das Video für meinen Sohn, hier nun ein kleiner Ausschnitt davon).

 

Und sonst so?

Nun ja, die Kniffel-Blöcke können wieder kleiner werden. (Und dieses Video war eigentlich für eine Freundin gedacht, aber ich möchte es Euch nicht vorenthalten).

 

Welche Linsen habe ich nun gewählt?

Die Wahl der Linsen ist eine Wissenschaft für sich. Man hört ja von vielen (Rentnern), dass sie seit der OP nun absolut brillenfrei seien. Diese Menschen lassen sich dann die sog. Multifokal- oder Trifokallinsen einsetzen, die, wie der Name schon andeutet, das eintreffende Licht eben dreifach brechen. Die Objekte werden der Netzhaut dann in drei Varianten zur Verfügung gestellt und das Hirn sucht sich einfach das beste Bild aus. Hat eben den Vorteil, dass man keine Brille braucht, soll aber den Nachteil eines hohen Lichtverlusts haben (so dass man wohl unter Flutlicht lesen muss) und die diversen Lichteffekte bei Lichtquellen (siehe oben) sollen auch stark sein.

Die Monofokal-Linsen, also Linsen, die nur in einem Bereich scharf stellen, so dass Du für die anderen Bereiche wieder eine (Gleitsicht-)Brille brauchst, wollte ich dann auch nicht haben. Wenn ich schon diese olle OP hinter mich bringen muss, dann bitte gleich etwas ordentliches.

Für IT-Fuzzies wie mich sind die multifokalen Linsen also wohl eher nicht die richtigen und mein Augenarzt empfahl mir dann die sog. EDoF-Linsen. EDoF steht für „Extended Depth of Focus“ und bedeutet sowas wie erweiterte Tiefenschärfe. Diese Linsen arbeiten nach dem Gleitsichtprinzip und verbinden wohl die jeweiligen Vorteile der beiden anderen Linsenarten: Schärfe im Fern- und Mittelbereich bis in den Nahbereich hinein bei nahezu 100%iger Lichtausbeute und so gut wie ohne Lichtreflexe. Viele Menschen können wohl danach komplett ohne Brille leben, der normale Monitor steht im mittleren Bereich, aber für das Lesen im Nahbereich werde ich wohl weiterhin eine Brille brauchen. Aber hey, dafür kann ich wohl auch im Schummerlicht lesen.

Wen es genau interessiert: Ich habe mir die Tecnis Symfony ZXR00 einsetzen lassen. Und ja, bisher bin ich voll zufrieden. Aber ich kann ja auch nicht vergleichen 😉

Der Tiefenschärfeeffekt wird in diesem PDF auf Seite 6 sehr gut beschrieben.

Und ich habe jede Menge Werbematerial mitbekommen. Wer also möchte, dem lasse ich gern eine Broschüre zukommen …

Herr Kochler, heutzutage bleibt man so vierzig, fünfzig Jahre lang mehr oder minder gesund, danach hofft man, dass die Einschläge nicht ganz so tiefe Krater hinterlassen.

Katarakt

Katarakt, die medizinische Bezeichnung für den grauen Star. Eine Augenkrankheit, die jeden trifft, wenn er denn nur alt genug wird und nicht vorher schon wegstirbt. Manche trifft es aber auch früher, so wie mich. Die Ursachen sind wohl weitestgehend unbekannt, allenfalls begünstigende Faktoren werden vermutet.

Die Symptome

    • Verlust der Sehschärfe
    • Verschwommensehen
    • starke bis sehr starke Blendempfindlichkeit
    • starker Kontrastverlust
    • Wahrnehmung der Umwelt wie durch einen Nebel
    • Doppelbilder
    • Einschränkung der räumlichen Wahrnehmung
    • Halos, Lichthöfe und sonstige Lichteffekte um Lichtquellen
    • blasse und trübe Farben

Eine wirklich gute Bilderreihe zur Veranschaulichung dieser Symptome findet man u.a. auf den Seiten des Hildesheimer Augenzentrums auf dieser Seite ganz unten. Bis auf „Fortgeschritten 2“ kann ich alles bestätigen.

Wirklich der totale Mist

All diese Symptome habe ich in den letzten Monaten wahrgenommen, zu spüren bekommen. Anfangs denkt man noch an Übermüdung, Erschöpfung, Überarbeitung, Stress, etc., legt sich ein paar Minuten hin und dann geht es schon wieder. Aber das reicht dann irgendwann nicht mehr.

Ich bin zum Schluss nicht mehr Auto gefahren, weil ich durch entgegenkommende Fahrzeuge so starkt geblendet wurde, dass ich nichts mehr sehen konnte. Die Entfernung zum Vordermann auf der Straße konnte ich überhaupt nicht mehr erkennen: Da bremste halt ein Auto, aber ob das nun 10 Meter oder 50 Meter entfernt war, war im Dunkeln für mich nicht erkennbar.

Auch im Alltag wird man unsicherer: Allein die tägliche Hunderunde ist voll oll, weil Du nicht mal mehr Schläglöcher auf der Wiese richtig erkennst. Du spürst sie dann erst, wenn Du reingetreten und evtl. gar gestürzt bist.

Kurz: Es ist wirklich nicht schön, aber durch den schleichenden Prozess nimmt man das anfangs überhaupt nicht als Sehfehler wahr. Es macht alles (oder zumindest vieles) nicht mehr so richtig Spaß.

Die Diagnose

Und dann sagt einem der Augenarzt, dass man eben operieren muss: Alte, natürliche Augenlinse (ich glaube mit Ultraschall) zerstören und absaugen, neue künstliche Linse aus Acryl rein. Ist wohl heute eine Standard-Operation, die in Deutschland (oder weltweit) am häufigsten durchgeführte OP überhaupt. Und es gibt beim grauen Star eben keine Alternative, keine Medikamente, keine Therapie, nichts.

Und ich hatte wirklich Schiss. Ich bin ja ohnehin ein kleiner Schisser und Hypochonder, aber hey, eine OP am Auge? Was, wenn die schief geht und ich erblinde? Naja nun, wenn nicht operiert würde, erblindete ich auch, also gab es keine Alternative.

Die OP

Gestern nun fand die OP statt, nachdem sie eine Woche zuvor aufgrund nicht lieferbarer Linsen kurzfristig abgesagt wurde. Es war ein schmerzfreier, kurzer Eingriff, den mein Arzt bei seinen Patienten unter Vollnarkose in Strausberg durchführt. Anschließend wurde ich von der lieben Inga abgeholt und nach Hause gebracht und ich legte mich mit Augenverband auf die Couch und ging dann irgendwann früh schlafen. Es gab kein Jucken, kein Brennen, kein Fremdkörpergefühl, aber dieser Augenverband ist irgendwie schon hinderlich.

Heute vormittag wurde mir der Verband abgenommen und das Auge nochmal untersucht. Es ist alles gut verlaufen, die Linse sitzt exakt dort, wo sie sitzen soll und das Auge hat sich nicht entzündet. Ich muss nun alle zwei Stunden antibiotische Augentropfen nehmen und das Auge, wenn es denn anfangen sollte zu tränen, ein wenig schonen. Ich habe mind. drei Wochen Sport– und Saunaverbot und die nächsten zehn Tage darf kein Wasser ins Auge kommen.

Und das Ergebnis? Zum heulen schön

Es ist der helle Wahnsinn. Wirklich, glaubt mir, es ist alles wahnsinnig hell. Also, auf dem operierten Auge, das binnen kurzer Zeit offensichtlich die „Führung“ übernommen hat. Als ich wieder zurück in der Wohnung war, kam es mir vor, als wäre hier renoviert worden, so hell und weiß waren plötzlich wieder die Wände.

Ich kann vieles wieder vollkommen ohne Brille sehen. Hatte ich vorher immer einen Nebelschleier auf den Augen, so sehe ich in der Ferne und im mittlereren Bereich wieder gestochen scharf. Und eben vor allem sehr, sehr hell.

Das räumliche Sehen ist nicht nur verbessert, es ist überhaupt wieder da. Die Farben sind alle wieder kräftiger, nicht mehr so trübe, so ausgelutscht wie vorher. Die Kontraste sind wieder da. Ich kann wieder Beipackzettel lesen und die Nährwertangaben auf den Lebensmittelpackungen erkennen, teilweise sogar ohne Brille.

Ich könnte hier vor lauter Freude und Glück den ganzen Tag weinend durch mein kleines Dorf hier wandern: Es ist noch nicht mal Frühling, eigentlich immer noch alles recht trist, aber der Unterschied ist phänomenal: Die ganze Welt ist jetzt wieder viel schöner.

Und ich habe den direkten Vergleich, denn mein linkes Auge ist noch unoperiert. Gucke ich allein mit dem linken Auge, gucke ich wie durch einen gelblich milchigen Schleier. Sehe ich allein mit dem operierten Auge, ist eben alles so klar, so hell, so bunt, so kontrastreich, so schön. Und laut Augenarzt und Linsenhersteller soll das in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten alles noch viel besser werden. Wenn sich Hirn und (neues) Auge aneinander gewöhnt haben werden. Und ick freu mir drauf.

Kann man etwas sehen?

Ich selbst ja nicht, aber Mone sagte beim Tröpfeln, dass das eine Auge klarer sei, als das andere. Ich habe mal versucht, das im Video festzuhalten (an sich war das Video für meinen Sohn, hier nun ein kleiner Ausschnitt davon).

 

Und sonst so?

Nun ja, die Kniffel-Blöcke können wieder kleiner werden. (Und dieses Video war eigentlich für eine Freundin gedacht, aber ich möchte es Euch nicht vorenthalten).

 

Welche Linsen habe ich nun gewählt?

Die Wahl der Linsen ist eine Wissenschaft für sich. Man hört ja von vielen (Rentnern), dass sie seit der OP nun absolut brillenfrei seien. Diese Menschen lassen sich dann die sog. Multifokal- oder Trifokallinsen einsetzen, die, wie der Name schon andeutet, das eintreffende Licht eben dreifach brechen. Die Objekte werden der Netzhaut dann in drei Varianten zur Verfügung gestellt und das Hirn sucht sich einfach das beste Bild aus. Hat eben den Vorteil, dass man keine Brille braucht, soll aber den Nachteil eines hohen Lichtverlusts haben (so dass man wohl unter Flutlicht lesen muss) und die diversen Lichteffekte bei Lichtquellen (siehe oben) sollen auch stark sein.

Die Monofokal-Linsen, also Linsen, die nur in einem Bereich scharf stellen, so dass Du für die anderen Bereiche wieder eine (Gleitsicht-)Brille brauchst, wollte ich dann auch nicht haben. Wenn ich schon diese olle OP hinter mich bringen muss, dann bitte gleich etwas ordentliches.

Für IT-Fuzzies wie mich sind die multifokalen Linsen also wohl eher nicht die richtigen und mein Augenarzt empfahl mir dann die sog. EDoF-Linsen. EDoF steht für „Extended Depth of Focus“ und bedeutet sowas wie erweiterte Tiefenschärfe. Diese Linsen arbeiten nach dem Gleitsichtprinzip und verbinden wohl die jeweiligen Vorteile der beiden anderen Linsenarten: Schärfe im Fern- und Mittelbereich bis in den Nahbereich hinein bei nahezu 100%iger Lichtausbeute und so gut wie ohne Lichtreflexe. Viele Menschen können wohl danach komplett ohne Brille leben, der normale Monitor steht im mittleren Bereich, aber für das Lesen im Nahbereich werde ich wohl weiterhin eine Brille brauchen. Aber hey, dafür kann ich wohl auch im Schummerlicht lesen.

Wen es genau interessiert: Ich habe mir die Tecnis Symfony ZXR00 einsetzen lassen. Und ja, bisher bin ich voll zufrieden. Aber ich kann ja auch nicht vergleichen 😉

Der Tiefenschärfeeffekt wird in diesem PDF auf Seite 6 sehr gut beschrieben.

Und ich habe jede Menge Werbematerial mitbekommen. Wer also möchte, dem lasse ich gern eine Broschüre zukommen …

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