Esoterik, Vodoo, Zauberei

Geocaching & Esoterik

Keine Empfehlung

Auf unserer letzten Hunderunde wurden wir u.a. von einem Klassenkameraden begleitet. Der junge Mann war so begeistert von der Schatzsuche, dass er uns wenige Tage später nochmal bei unserer sechsstündigen Knobelrunde unterstützt hat.

Und zufällig hat er in wenigen Tagen Geburtstag, was lag da also näher, als nach passenden Geschenken für sein neues Hobby zu suchen. Ich wurde auch schnell fündig, ein Buch über das Geocaching, speziell für Kinder geschrieben, sollte es nun werden.

Und ich dachte, in dem Titel „Abenteuer Geocaching: Die moderne Schatzsuche für Einsteiger (Expedition Natur)“ (ISBN 978-3897776470) aus dem moses Verlag genau das Richtige gefunden zu haben. Laut Verlag soll es ein Buch für acht- bis zehnjährige sein. geschrieben von einer Ramona Jakob.

Die Beschreibung klang auch sehr nett:

Schatzsuche gibt es nur bei den Piraten? Von wegen! Beim Geocaching, der modernen Schnitzeljagd, müssen Karten gelesen, Rätsel gelöst und das GPS-Gerät beherrscht werden. Die Geocaching-Expedition führt querfeldein: ob am Wasser entlang, im Wald, auf dem Land oder durch die Stadt – das GPS-Gerät weist den Weg zu den Schätzen, die an herrlich aufregenden Plätzen versteckt sind. Bei der faszinierenden Suche sind jede Menge spannende Abenteuer zu bewältigen und spielend leicht werden die kleinen Abenteurer zu richtigen Orientierungs- und Naturexperten. Wie genau Geocaching funktioniert, welche Ausrüstung nötig ist und auf was besonders geachtet werden muss, beschreibt das Buch anschaulich mit tollen Fotos und wertvollen Tipps und Tricks.

Das Buch ist optisch und haptisch wirklich nett aufgemacht, kommt mit Hardcover und einer Spiralbindung daher, hat viele schöne Bilder, ist an sich in leichter, kindgerechter Sprache geschrieben und beinhaltet zusätzlich noch diverse Aufkleber für die eigenen Geocaches und einen Geocoin zum Ablegen.

Soweit, sogut, aber was ich auf Seite 16 dieses Buches lesen musste, war nicht das, was ich von einem Kinderbuch erwartet habe.

Im Kapitel „Die richtige Ausrüstung“ wird unter „Das brauchst Du auf jeden Fall“ auch eine „Erste-Hilfe-Notfalltasche“ aufgeführt, die Pflaster, Mullbinden, Desinfektionsmittel, etc. enthalten soll und die es „oft schon fertig zu kaufen gibt“.

Zusätzlich aber sollen nach Auffassung der Autorin unbedingt noch homöopathische Arnica-Globuli und Bachblüten-Notfallbonbons in dieser Erste-Hilfe-Notfalltasche mitgeführt werden, die, nach Auffassung der Autorin, bei Prellungen, Verstauchungen und blauen Flecken oder bei Aufregung, Angstzuständen oder sonstigen Schmerzen helfen sollen.

Homöopathie ist keine Medizin (auch keine „alternative“ Medizin) und solche Zuckerkügelchen gibt es glücklicherweise nicht in „schon fertig zu kaufenden“ Erste-Hilfe-Taschen. Das hat schon seinen Grund: Homöopathie hat keinerlei Nutzen, wirkt nicht über den Placebo-Effekt hinaus und ist gerade bei Kindern oft sogar kontraproduktiv, werden Sie mit diesen hochverdünnten Zuckerkugeln doch oft auf die Gabe irgendwelcher Hilfsmittel konditioniert, statt auf die Selbstheilungskräfte des Körpers zu vertrauen. Bei ernsthaften Verletzungen oder Erkrankungen ist das Ganze sogar gemeingefährlich. Statt „wertvoller Tipps und Tricks“ erhält man also medizinisches Wissen in Hausfrauenform.

Wer als erwachsener Mensch sich wider besseren Wissens trotz aller Informationsmöglichkeiten solchen Irrglauben unterwerfen möchte, darf dies gern tun, in Kinderbüchern haben solche „Empfehlungen“ nichts, aber auch gar nichts, verloren.

Das Buch ist damit leider vollkommen wertlos und insbesondere für Kinder absolut ungeeignet (stellt Euch vor, die glauben diesen Mist noch) und gehört vermutlich eher in die Hokuspokus-Vodoo-Esoterik-Ecke jeder Buchhandlung. Oder besser gleich komplett aus dem Handel entfernt.

Sollte ich dieses Buch also verschenken (weil es nun mal hier im Haushalt rumliegt), kann ich dies guten Gewissens nur mit mindestens einer dick geschwärzten Passage tun. Alles andere wäre fahrlässig.

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